Dinner in Kuala Lumpur – Frühstück in Zürich

Business Trips sind bekanntlich die Freuden des Konzernangestellten und vor allem die beste Möglichkeit, viel Zeit sehr ineffizient – sprich unproduktiv zu verbringen. Darum sind sie vermutlich auch so beliebt – denn ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand ansonsten ernsthaft, freiwillig seine Freizeit in Taxis, Flughafen-Lounges (mehr darüber in einem eigenen Beitrag), engen Flugzeugen und herzlosen Businesshotels verbringen würde.

 

Wie auch immer – da Digitalisierung keine Grenzen kennt und sowohl meine Teams wie auch meine Kunden über die Welt verteilt sind, verbringe ich gut 75% meiner Arbeitszeit auf Reisen. Während die Ausflüge in andere Kulturen durchaus reizvoll und abwechslungsreich und der Teil meins Jobs sind, den ich besonders mag, ist es der Weg dorthin üblicherweise nicht. Vor allem nicht, wenn wie letztes Wochenende zuhause in Zürich schönster Sommer mit Temperaturen um die 25 Grad herrscht.

 

Es half alles nichts, nach einem Schweizer Picknick am See hiess es mal wieder packen (darin wird man nach 17 Jahren als Berater und international Tätiger nicht nur sehr schnell, sondern auch sehr effizient – mittlerweile schaffe ich es locker zwei Wochen mit Handgepäck zu überleben) und Uber zum Flughafen. Dieses Mal sollte es eine halbe Weltreise werden, welche von Zürich über Bangkok nach Kuala Lumpur und von da über Singapur nach Zürich und dann gleich weiter nach New York und Tampa und über Frankfurt zurück nach Zürich führen sollte. Nach Ankunft am Flughafen Zürich folgte das übliche, hier zum Glück sehr effiziente Prozedere: Security, peinlicher Touristenzug mit Kuhgeräuschen zum internationalen Terminal, den wichtigtuerischen Businesskaspern, die denken, dass ihnen dadurch, dass sie ihren Arsch in Flugzeugen auf Firmenkosten platt gesessen haben und dafür von der Airline mit einer goldenen Plastikkarte belohnt wurdendie Welt gehörtin der Lounge aus dem Weg gehen (Noise cancelling Headphones sind übrigens nicht nur gegen Fluglärm sonder auch gegen wichtigtuerische Lounge-Kasper welche Freude daran haben alle Loungebesucher an ihren völlig irrelevanten Handygesprächen teilhaben zu lassen).

 

Swiss war wie immer in Punkto Service top, auch wenn wir dank der Amerikaner in Chicago, welche die nagelneue 777ER beim push-back auf einen Zaun geschoben haben auf eine eher antiquierte A340 umsteigen mussten, deren Entertainment-System-Screens ungefähr die Grösse und Auflösung eines Gameboys haben. Aber da der Flug überwiegend über Nacht geht und die einzig sinnvolle Beschäftigung in Flugzeugen sowieso das Schlafen ist, störte das nicht weiter und ich wachte pünktlich zum Frühstück irgendwo über Nord-Thailand fast erholt auf.

 

Da die A340 erheblich langsamer ist als die übermotorisierte 777 kamen wir mit fast einer Verspätung in BKK an, was bei einer planmässigen Umsteigezeit von einer Stunde dazu führte, dass sich das anstrengende Lauftraining endlich auszahlte. Im Schlepptau einer thailändischen Swiss-Angestellten, die mich am Flugzeug bereits erwartete spurtete ich durch den Megaairport, die Sicherheitskontrolle und erwischte den Anflug nach Kuala Lumpur mit Malaysia Airlines gerade noch rechtzeitig zum Boarding. Rein in die Malaysia Airlines Mühle, Türen zu, Abflug. Zum Glück unterwegs weder von einer russischen Rakete getroffen, noch von einem lebensmüden Captain im südchinesischen Meer versenkt worden und damit heil im 30 Grad heissen und 99% feuchten Kuala Lumpur angekommen wo ich dank Handgepäck (Profi) und organisiertem Transfer bereits 1,5 Stunden nach Landung im Hotel war.

 

Das Hotel war zur Abwechslung mal gut (wer Abbild zu das Vergnügen hat in US Business Hotels zu nächtigen weiß den asiatischen Standard zu schätzen) und auch gut mit chinesischen Reisegruppen gefüllt. Geduscht, ins Gym, kurz in den Pool, gefühlt 150 mails abgearbeitet und dabei die Konzernwelt gerettet und dank neuer Regierung und Feiertag und Ramadan (was will man mehr) abends im einzigen, geöffneten Hotel ein sehr lokales und sehrreichhaltiges Büffet genossen. Zur Erklärung – während dem Ramadan essen und trinken Muslime von Sonnenaufgang (also ca 5 Uhr morgens) bis Sonnenuntergang (um 10 Uhr abends) absolut nichts. Wenn die Sonne dann unten ist wird dafür umso deftiger zugeschlagen – auch wenn sich dem westlichen Geschmackssinn und Auge nicht alles erschliesst. Hier ein paar Impressionen vom Büffet.

 

Der Rest der Woche war dann eher unspektakulär und geprägt von Jetlag (Trips nach Asien sind besonders toll, weil man abends hellwach im Bett liegt und kaum ist man dann morgens um 2 endlich eingeschlafen, holt einem der fiese Iphone-Klingelton mitten in der Nacht wieder aus dem Bett), Taxi, Hotel, Catering-Dinner im Office (gar nicht schlecht), Meetings in viel zu kalten AirCon Meetingräumen mit brutaler Neonbeleuchtung, Mails, nochmal Meetings, Business Dinner, wach im Bett liegen obwohl man übermüdet ist, mitten in der Nacht aufstehen und so weiter.

 

Zeit für Sightseeing bleibt auf solchen Trips üblicherweise nicht und so beschränkt sich die Impression des Landes typischerweise auf die Gespräche mit den Taxifahrern (Malaien sprechen sehr gut Englisch) über die neue Regierung und das lokale Essen. Beim Essen gab es dieses Mal jedoch ein Highlight. Als freundliche Geste luden mich die malischen Kollegen in ein sehr exklusives Seafood Restaurant ein bei denen Man sich was auf den Teller kommen kann in diversen Aquarien erst lebendig ansehen und dann gleich auswählen kann. Von Hummer über Riesenkrebse über unverschämt teure Fische (ca. 50 Euro pro 100 Gramm) bis hin zu Penisförmigen Riesenmuscheln gibt es hier so einiges was man bisher auf westlichen Speisekarten nicht vermisst hat. Das Essen in einer Art offenen Pavillon direkt neben dem Runway des Flughafens war auf jeden Fall sehr nett und schmackhaft und das highlight war die Männertoilette bei der man stilgerecht und passend zum Restaurant-Theme gegen ein mit Fischen gefülltes Aquarium pinkelt. Kann man so machen.

 

Nach drei vier Tagen in der tropischen Hitze draussen und in unterklimatisierten Räumen im Office ging es dann zuerst mit Singapore Air (beste Airline der Welt) über Singapur (bester Flughafen der Welt) und von da mit Swiss (zweitbeste Airline der Welt) 12 volle Stunden zurück ins sommerliche Zürich. Hier bleibt gerade Zeit genug zum Aus- und wieder Einpacken, bevor es weiter nach New York und von da nach Tampa geht. Dort beginnt gerade die Hurricane Season. Mehr dazu nächstes Mal.

, , , , , , markiert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.